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LAUTERBACH (ot). Landstriche in Polen versinken in den Fluten, Teile Russlands stehen einem Flammeninferno gegenüber. Menschen verlieren ihr Leben und die Gesundheit, ganz zu schweigen von Hab und Gut. Das normale Leben gerät im Katastrophenfall aus den Fugen. Der Vogelsbergkreis blieb bisher von solchen Extremen verschont, und der Katastrophenschutz im Vogelsbergkreis war in der Vergangenheit gut aufgestellt, aber angesichts des Klimawandels und der damit verbundenen Wetterkapriolen, kann jedes unwahrscheinliche Szenario plötzlich Rea-lität werden; Vielleicht auch ein Grund, warum die Politik in Hessen den Katastrophenschutz neu organisierte. Das bedeutet für den Vogelsbergkreis: Ab sofort stehen zwei Sanitätszüge und zwei Betreuungszüge bereit, anstatt bisher ein Sanitätszug mit fünf Fahrzeugen und ein Betreuungszug mit sieben Fahrzeugen.
Zusammen mit dem ABC-Zug sowie der mobilen Informations- und Kommunikations-Zentrale kann der Katastrophenschutz im Landkreis auf über 30 Fahrzeuge zurückgreifen, welche auch mit der notwendigen Besatzung ehrenamtlicher Mitarbeiter ausgerüstet sind. Landrat Rudolf Marx stellte die neuen Katastrophenschutzzüge in den Dienst. Mit seinen Worten: „Wir schnüren das Gefahrenabwehrpaket." Auf dem Parkplatz vor dem Landratsamt reihten sich die teilweise neue Flotte und Besatzungsmitglieder auf, boten ein imposantes Bild: entschlossen, für die Sicherheit der Bevölkerung einzutreten. Im Ernstfall würde das bedeuten: 25 Verletzte pro Stunde und pro Sanitätszug könnten behandelt werden. Etwa l 000 Mahlzeiten pro Betreuungszug können die modernen Feldküchen problemlos herstellen. Die 19 Fahrzeuge des Brandschutzes fehlten, sie hätten den Rahmen auf dem Parkplatz gesprengt. Landrat Marx vergaß nicht, bei dieser Gelegenheit langjährige Mitglieder für aktive Bereitschaft und Einsatz im Katastrophenschutz vor der ver¬sammelten Mannschaft zu ehren.
Vier silberne (25 Jahre) und vier bronzene (zehn Jahre) Katastrophenschutzmedaillen plus Urkunden wurden verliehen. Die zu Ehrenden verfügten über den nötigen Respekt und die Vorbildfunktion, welche jüngere Kameradinnen und Kameraden immer wieder motivieren, fügte Marx hinzu. Gleichzeitig dankte er dem Kreisbrandinspektor Werner Rinke für seine Führungsarbeit: „Bei ihnen ist der Katastrophenschutz in besten Händen", unter¬strich das Kreisoberhaupt die Wertschätzung.
Für die Lauterbacher Besatzung des neuen Betreuungszugs haben Aus- und Fortbildungen nun oberste Priorität, da der bis dahin einzige Betreuungszug in Aisfeld stationiert war. Einmalig in Hessen ist, dass in diesem Zug Mitglieder des Malteser Hilfsdienstes Herbstein und Mitglieder des Rotes Kreuz Lauterbach zusammenwirken.
Der Landrat ist sich sicher, dass der Vogelsberg gegen viele Katastrophen gewappnet ist, nur kann er Ausmaße nicht vorhersehen. Er erinnerte an die 70er und 80er Jahre mit großen Hochwasserschäden im Kreis. Der Bereich Schlitz sei im¬mer wieder von Hochwasser bedroht. Im Bereich Alsfeld wurde in diesem Zusammenhang einiges mit den Rückhaltebecken erreicht. Aber durch die zunehmenden Wetterkapriolen sei keine Form der Katastrophe auszuschließen. Die größte Gefahr gehe aber im Brandfall von den Fachwerkhäusern der Altstädte aus, sagt Marx und fügt an, dass jetzt die Devise „Üben und Ausbildung" lauten müsse, damit man nicht nur technisch, sondern auch personell in der Lage ist, Schlimmeres zu verhindern.
Vor 20 Jahren wurde der Katastrophenschutz in militärisch und zivil unterteilt. Zwar ist in der Region mit dem Ende des Warschauer Pakts die militärische Bedrohung aus der Nachbarschaft weggefallen, aber die Bedrohungen aus der Natur haben zugenommen, sodass Katastrophenschutz weiter ein Top-Thema im Vogelsbergkreis bleibt. Angesichts der Bilder in Pakistan, Polen und Russland verstummen sogar die wenigen Stimmen der Kritiker, welche die Steuergelder anderswo investiert haben möchten, antwortete Marx sinngemäß auf die Frage, ob es nur Befürworter in Sachen Aufstockung im Katastrophenschutz gäbe.
Brand, Hochwasser, Flugzeugabsturz und Seuchen sind Katastrophen, die hier am ehesten rasch zur Realität werden können. Im Sinne der Verantwortlichen, der Einsatzkräfte und der Bevölkerung wäre, den Teufel nicht an die Wand zu malen und das Plus an Sicherheit gerne in Kauf zu nehmen.
Können die Menschen im Vogelsberg beruhigt schlafen gehen, Herr Marx? „Selbstverständlich, ich tue es!" . BERICHT: Lauterbacher Anzeiger vom 16.08.2010 Text: OtterbeinFotos: DRK
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